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Vom Angsthund zur coolen Socke

Aktualisiert: 29. Dez. 2022

Geht das wirklich?


Mit viel Geduld, Einfühlungsvermögen und Sachverstand kannst du bei einem Angsthund viel erreichen. Hier erzähle ich von der unerwarteten Entwicklung zu einem coolen Hund.



Inhaltsverzeichnis



Die Vorgeschichte


Auf der Suche nach einem Dritthund im Jahr 2012 stieß ich auf Lucky. Ein älterer Hund, der im Tierpflegenest in Backnang schon etwa 6 Jahre einsaß. Der kleine Kerl wurde 2005 zusammen mit etwa 100 anderen Hunden von einem Animalhorder in Spanien gefunden. Er war zu dieser Zeit sehr krank, dem Tod näher als dem Leben.


Kranker Hund mit Leishmaniose
Auswirkungen von Leishmaniose

Lucky hatte Leishmaniose, mit Sicherheit noch andere Krankheiten durchlebt und dazu panische Angst vor Menschen.


Die Tierschützer wollten ihn daraufhin fast schon einschläfern. Doch er hatte Glück und durfte zu Petra ins Tierpflegenest.






Dort erholte er sich langsam von den körperlichen Schäden, die Angst, ja fast schon Panik vor Menschen blieb. Er ließ sich nicht anfassen, seine Medikamente musste man ihm aus der Entfernung hinschmeißen, Wunden mit Salben versorgen war nicht möglich, da er bei Berührungen zuschnappte.


Im Tierheim


An Gassigehen war die ersten Jahre nicht zu denken, da man ihm kein Geschirr anziehen konnte. Nach etwa vier Jahren hat man es dann doch geschafft, dass er mit zu den wöchentlichen Spaziergängen mitkann. Von da an war Gassigehen sein Highlight.


Lucky hatte es gut im Tierheim, doch bei so vielen Hunden war es schwierig, ihm die besondere Behandlung zu bieten, die er brauchte. Trotz der schwierigen Voraussetzungen hatte man für ihn ein eigenes Zuhause gesucht. Und das wollte ich ihm gerne bieten.


Der Kennenlernspaziergang war spannend. Der kleine Mann bellte die ersten 20 Minuten ununterbrochen. Ja, richtig gelesen: 20 MINUTEN! Das hatte mich trotzdem nicht davon abgehalten, dass ich ihn aufnehmen wollte.




Immerhin war der Hund an meinen mitgebrachten Würstchen sehr interessiert und hat sie - sehr, seeehr vorsichtig und voller misstrauischer Blicke - verputzt. Und so kam er dann im Juni 2012 zu mir und meinen tierischen Weibern Changa und Loussie. Auch diese beiden waren Hunde aus dem Tierschutz.


Ich bin davon ausgegangen, dass der kleine ältere Mann – sein Geburtsjahr war mit 1998 angegeben – sein restliches Leben in einer geschützten Ecke bei mir verbringt und zufrieden ist, dass er satt wird, seine Ruhe hat und seinem größtem Hobby – Gassigehen – frönen kann.


Nie hätte ich gedacht, dass aus so einem „Problemhund“ mal ein cooler Hund wird. Doch ich wollte wenigstens versuchen, ihm ein klein wenig die Angst vor Menschen zu nehmen.


Meine allerbeste Hundetrainerin und Freundin Snezi gab mir Tipps, wie ich das anstellen kann. Diese Tipps habe ich 1 zu 1 befolgt. Ausnahmsweise, ich lasse mir ansonsten gerne großzügig kreative Freiheiten.


Die Tipps und wie ich bei der Desensibilisierung genau vorgegangen bin, erzähle ich in einem anderen Beitrag ausführlich.


Hund mit Schnur als Hausleine am Geschirr
Einfache Schnur als Hausleine

Hausleine als Hilfe


Luckys Angst äußerte sich zum Beispiel darin, dass ich mich ihm maximal auf 2 Meter nähern konnte, ohne, dass er anfing, vor Angst zu zittern oder wahlweise wegzugehen. Anfassen war nicht möglich. Deswegen hatte er die ersten Wochen immer sein Geschirr mit einer Hausleine an.


Eine Hausleine kann ich jedem Hundehalter empfehlen, der einen ängstlichen Hund hat oder eine Fellnase aus dem Tierschutz adoptiert.


Eine Hausleine ist eine klasse Sache. Du musst deinen Hund nicht anfassen, um ihn von A nach B zu bringen. Hunde, die Angst vor Menschen haben, sind nie begeistert, wenn sie von einem Felllosen angefasst werden.


Den Hund einfach anzufassen ist aus Hundesicht übergriffig und du kannst froh sein, wenn er es tapfer erträgt. Manche Kandidaten jedoch schnappen aus Angst oder Unsicherheit zu.


Hund liegt auf dem Sofa mit menschlicher Hand daneben
Erfolg der Desensibilisierung - Lucky liegt neben mir

Erfolge mit Desensibilisierung


Mit meinem Desensibilisierungstraining, welches nicht über Tage, Wochen oder Monate, sondern über Jahre ging, hatte ich es tatsächlich geschafft, diesen Hund, der so unendlich viel Angst und Panik hatte, zu einer coolen Socke zu verwandeln.


Misstrauisch blieb Lucky trotzdem bis zum Schluss. In seinem letzten Lebensjahr musste ich dem kleinen Held tatsächlich abgewöhnen, all zu aufdringlich zu Menschen zu sein. Nach 6 1/2 Jahren bei mir hat er sich im Alter von 14-20 Jahren - nichts Genaues weiß man nicht - in den Hundehimmel verpisst.


Fazit


Es lohnt sich, einen scheinbar aussichtslosen Versuch zu wagen! Deshalb mein Plädoyer an jeden, der einen Hund aus dem Tierschutz adoptieren möchte:


Erwarte nichts und freue dich über alles, was dein Hund dir zurück gibt. Manchmal ist es nur die Erfahrung, die er dir schenkt, aber immer ist es alles, was er dir zu geben vermag.


Danke Lucky, du warst ein cooler Typ :-)
















 

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Hey, ich bin Marion, Coach für angehende Hundetrainer. Meine Vision ist, dass du deinen Hund besser verstehen lernst. Für ein harmonisches und glückliches Zusammenleben mit deinem Hund.

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