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Tierschutzhund oder Rassehund?

Aktualisiert: 27. Apr. 2022

Was du beachten und bedenken solltest


Inhalte

Hunde aus dem Tierschutz sind schon lange im Trend. Ich selbst habe von Anfang an ausschließlich Hunde aus dem (Auslands-)Tierschutz und würde es immer wieder tun. Das bedeutet allerdings nicht, dass ich das jedem empfehlen würde. In diesem Beitrag schreibe ich sehr persönlich über meine Einstellung und Erfahrungen zu diesem Thema.


Wie meistens, werde ich im Beitrag dem Trend des Genderns nicht frönen. Es sind alle Frauchen, Herrchen und Diverschen angesprochen, auch ohne *Innen oder :Innen zu schreiben, gelle?


Sprüche wie "Adopt, don't shop!" und "es gibt genügend tolle Hunde in den Tierheimen" finde ich anmaßend. Jeder Mensch soll bitte selbst entscheiden dürfen, welche Sorte Hund er bei sich einziehen lassen möchte.


Der Rassehund-Mensch

Schlafender, weißer Hundewelpe

Hat ein Mensch eine ganz bestimmte und klare Vorstellung von einem Hund, was Optik, Größe und vor allem Charakter und Eigenschaften angeht, dann wird er im Tierschutz kaum fündig werden. Hier ist besser ein Rassehund angesagt. Zuvor sollte man sich sehr genau über die angepeilte Rasse informieren, und zwar nicht ausschließlich auf den Züchter-Seiten. Dort ist fast überall zu lesen, dass ihre Rasse als Familienhund geeignet ist und weitere Unwahrheiten bzw. Schönredereien.


Bist du der Typ Rassehund, dann informiere dich auf verschiedenen Plattformen über deine favorisierte Rasse. Auch das gute alte Buch kann dir weiterhelfen. Im Idealfall lässt du dich von einem guten Hundetrainer beraten. Die meisten Hundetrainer haben eine Beratung vor dem Kauf im Angebot, was leider viel zu selten genutzt wird.


Es sollte sich inzwischen herumgesprochen haben: kaufe keinen Hund über die Kleinanzeigen mit dem "e" vorne dran. Dort tummelt sich viel zu viel unseriöses Volk. Als Laie oder Gutmensch sind sie meist schwer zu enttarnen.


Züchter finden


Einen guten Züchter findest du sicherlich über Suchmaschinen im Netz oder über den Zuchtverband. Wenn du den Züchter deiner Wahl besuchst, dann kannst du ihn anhand dieses kleinen Leitfadens grob beurteilen:

  • Hat der Züchter ein ausreichend großes Außengelände, welches angemessen gesichert ist?

  • Gibt es ein Welpen-Zimmer mit ebenerdigem Ausgang und geeigneter Ausstattung?

  • Sind Umweltgeräusche vorhanden (Autos, Straßen, Menschen, Kinder und andere Haustiere)?

  • Haben die Welpen Kontakt zu fremden Menschen?

  • Wirken die Welpen gesund und munter?

  • Wie verhalten sich die Zuchteltern bzw. die Mutterhündin?

  • Ist die Hündin freundlich oder womöglich gar nicht zu sehen?

  • Werden Papiere oder Bilder des Zuchtrüden vorgelegt?

  • Wurden Rassestandard und Vereinsstatuten eingehalten?

  • Der Züchter sollte nachfragen, wieso du diese Rasse haben möchtest und dich über die Eigenschaften hinreichend aufklären.

  • Er sollte all deine Fragen zur Rasse kompetent beantworten können.

Obige Liste ist alles andere als vollständig, aber es sind einige wichtige Punkte dabei.


Sebastian Schläger von hunde.plus hat zum Thema Familienhund einen tollen Beitrag geschrieben.


Der Tierschutzhund-Mensch

Traurig blickender Hund hinter einem Zaun

Im Focus vieler Adoptionswilligen steht oft der Gedanke:


Ich will einen Hund retten! Schöner Gedanke, aber falscher Ansatz.


Zu selten stehen diese Gedanken im Focus:


Ich möchte einem Hund ein Zuhause geben, wo er Hund sein darf, als solcher ab Tag 1 behandelt wird, Regeln kennenlernt und lernen darf. Ich werde Geduld haben, bin mir bewusst, dass ich nicht weiß, was auf mich zukommt, werde mich mit egal welcher Situation arrangieren und mit dem Hund an Problemverhalten arbeiten, so dass sich alle wohlfühlen und...


Na, merkst du den Unterschied? Die zweite Ausführung ist wesentlich länger und beileibe nicht lang genug!


Der Satz "Ich will einen Hund retten" ist in etwa so, wie wenn das quengelnde Kind an der Kasse kreischt: "Ich will Schokolade haben!". Mit dem Unterschied, dass ein Kind noch nicht weiß, dass zu viel Zucker ungesund ist, dass Schokolade Geld kostet und so weiter. Ein Kleinkind kann auch noch nicht lesen. Doch du als mündiger Mensch kannst dich aber über Risken und Nebenwirkungen der Sonderedition des Überraschungseies namens Tierschutzhund ausgiebig über 1000 Kanäle informieren! Tu das bitte. Diesen Beitrag zu lesen, ist schonmal der erste Schritt. Cool, danke dafür :-)


Ok, du hast dich informiert, weißt, dass du nicht weißt, was auf dich zukommen könnte. Der nächste Schritt ist, einen guten und seriös sowie ehrlich arbeitenden Tierschutzverein zu finden. Auch hier lauern Gefahren und Fallen.



Wie findest du einen guten Tierschutzverein?

Klar, zum Beispiel im www. Doch das Internet ist genauso geduldig wie Papier. Ich gebe dir ein paar Tipps, worauf du achten solltest.

  • Nimm dir die Website des Vereins genau unter die Lupe. Achte weniger auf die Optik als auf die Inhalte.

  • Ein Blick auf das Impressum zeigt dir den Sitz des Vereines, wer ihn vertritt und in welchem Vereinsregister er eingetragen ist.

  • Sinnvoll ist auch, nach Erfahrungen im Netz zu suchen.

  • Sind ausführliche Informationen zum Adoptionsablauf beschrieben?

  • Wird über das Thema Mittelmeerkrankheiten informiert?

  • Sind Vorkontrollen vorgesehen?

  • Schaue dir mehrere Beschreibungen von unterschiedlichen Hunden an: lauten die alle ähnlich?

  • Wirken die Beschreibungen ehrlich?

  • Werden auch mal Eigenschaften geschildert, an denen man arbeiten muss oder die Schwierigkeiten bereiten könnten?

  • Wird bei Welpen oder Junghunden dargestellt, dass die endgültige Größe nicht genau vorhergesagt werden kann?

Steckbriefe von Tierschutzhunden analysieren

"Bobo hatte noch nie eine Anfrage!"

"Lulu wünscht sich nur Liebe!"

"Tipsi verträgt sich mit jedem und allen."

"Wer hat ein Herz für die arme Nele?"

"Leo fleht euch an: Lasst mich endlich raus!"

"Wenn mich niemand adoptiert, werde ich in vier Tagen getötet!"


Kommt dir das bekannt vor? Für mich sind solche Aussagen unverantwortlich. Das Schlimmste dabei ist, es drückt auf die Tränendrüse der Menschen. Dies führt wiederum dazu, dass Menschen angetickert werden, die einen Hund aus Mitleid adoptieren möchten. Mitleid ist aber das Letzte, was diesen Hunden hilft. Ist Mitleid deine einzige Motivation, einen Hund aufnehmen zu wollen, dann spende lieber dem Tierschutzverein. Damit hilfst du besser weiter.



Verständlich ist, dass die Vereine vermitteln wollen, möglichst in passende Zuhause. Deshalb denken sie sich hübsche Beschreibungen aus. So lange sie nichts verschweigen oder hinzudichten, ist das legitim.


Doch es werden zum Teil Hunde vermittelt, die echtes Problemverhalten zeigen, wie beispielsweise Aggressionen oder schwerst traumatisierte Hunde. Es ist unverantwortlich, solche Hunde vermitteln zu wollen und womöglich gar noch in unerfahrene Hände. Geht gar nicht. Gar, gar nicht!


Welchen Hund solltest du wählen?

Du hast nun hoffentlich zwei, drei Vereine gefunden, die auf dich einen guten Eindruck machen. Nun kannst du nach einem passenden Kandidaten schauen. Natürlich nachdem du dir vorher gut überlegt hast, dass du eine Überraschungstüte bekommst, die mehr oder weniger gut verpackt ist. Da kann alles drin sein: Der Hauptgewinn oder eine Niete.


Die Beschreibungen schaue dir bitte ebenso kritisch an wie die Website. Sei dir bewusst, dass auch verantwortungsvolle und ehrlich arbeitende Vereine nie eine verlässliche Voraussage machen können, wie sich der Hund in Zukunft in seiner neuen Familie verhalten wird.


Neue Umgebung, neues Land, neue Leute - und der Hund verhält sich ganz anders, als er beschrieben wurde. Das erlebte ich bei meinem letzten Hund, Django. Beschrieben als ruhig, etwas hilflos, einer der sich nicht so gerne anfassen oder gar hochheben lässt. Diesen Eindruck machte er auf Bildern und Videos, die ich von ihm gesehen hatte, tatsächlich. Er wirkte fast schon depressiv.


Tja, und dann schlüpfte der Kollege aus seiner Box in den Garten, markierte selbstbewusst das komplette Gelände, kurz meine Weiber abgecheckt und klebte eine Stunde später eng angekuschelt an mir. Und da klebt er heute noch ;-)


Hierzu habe ich noch ein gegenteiliges Beispiel aus meiner Hundemeute. Dieser Artikel ist also noch lange nicht zu Ende, aber wir sind ja hier in einem Blog und nicht in der Stadtbücherei. Fortsetzung folgt...


Fazit

Ob du dich für einen Rassehund oder einen Hund aus dem Tierschutz entscheidest, das ist eine individuelle Angelegenheit. Bei einem Rassehund weißt du einigermaßen, was auf dich zukommt. Ein Tierschutzhund bringt immer Überraschungseier mit.


Wichtig: egal wie du dich entscheidest, informiere dich vorher ausführlich über das Thema. Am Besten, du lässt dich von einem Hundetrainer, einer Hundetrainerin beraten.


Bist du der Rassehund-Typ oder der Tierschutzhund-Typ? Ich freue mich auf deine Kommentare!

 

Hier gibt es noch mehr Input:

Der Digitale Hundeführerschein - Onlinekurs für ambitionierte Hundehalter

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Hey, ich bin Marion, Coach für angehende Hundetrainer. Meine Vision ist, dass du deinen Hund besser verstehen lernst. Für ein harmonisches und glückliches Zusammenleben mit deinem Hund.

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