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Infektionskrankheiten des Hundes

Aktualisiert: 30. Jan. 2022

Wir wünschen uns alle, dass unsere Hunde bis ins hohe Alter gesund und fit bleiben. Und dafür tun die meisten Hundebesitzer auch sehr viel. Sie bekommen das beste Futter, werden ausgelastet und bespaßt, bekuschelt, verwöhnt, regelmäßig geimpft und beim Tierarzt gecheckt. Unsere Hunde gehen zum Hundefrisör zu Fellpflege und vielleicht sogar zur Hundephysiotherapie.


Doch leider kann es trotz aller Pflege dazu kommen, dass dein Hund eines Tages von einer Infektionskrankheit heimgesucht wird. Wir haben hier eine Aufstellung über die wichtigsten Infektionskrankheiten des Hundes zusammengestellt:

  • Was sind typische Symptome?

  • Wie wird die Krankheit übertragen?

  • Wie können wir unseren Hund davor schützen?

  • Welche Behandlung ist nötig?

Begriffserklärung

Zoonose: Von Tier zum Menschen und umgekehrt übertragbare Infektionskrankheiten. Bakterium: Einzellige Mikroorganismen, die Infektionen auslösen können. Virus: Krankheitsverursachende Partikel, sie infizieren die Zellen eines Wirtes und vermehren sich dort. Krankheiten werden durch Bakterien oder Viren übertragen. Bakterien können sich selbstständig vermehren ohne Hilfe von anderen Zellen oder Organismen. Sie haben einen eigenen Stoffwechsel und sind unabhängig von anderen Lebewesen. Im Gegensatz dazu sind Viren abhängig von anderen Lebewesen oder Zellen. Sie sind also abhängig von einem Wirt.


Die wichtigsten Infektionskrankheiten

Hund liegt auf dem Boden

Tollwut (Zoonose): Virus, beim Hund innerhalb von 2-9 Wochen tödlich.

  • Übertragung / Infektion: Über den Speichel durch Biss, Kratzwunde oder Belecken. Ausscheidung bereits vor (!) den ersten Symptomen beim Träger.

  • Symptome: Wesensveränderungen. Übererregung, Angst, Schnappen nach imaginären Fliegen, sinnloses Bellen („rasende Wut“). Lähmungen, Schluckstörungen (Speicheln, Schaum), Ausfall der Hinterhand. Tollwut kann auch direkt mit den Lähmungen beginnen (stille Wut).

  • Nachweis: Der eindeutige Nachweis des Virus (Rabiesvirus) kann nur im frischen Gehirngewebe erfolgen. Daher werden die Tiere bei Verdacht in jedem Falle getötet, wenn kein Nachweis über eine gültige Tollwutimpfung vorliegt.

  • Therapie: Keine (Behandlungsversuche sind beim Hund verboten!)

  • Prophylaxe: Impfung

  • Allgemeines: Wer von einem tollwütigen Tier gebissen wird, muss sofort zum Arzt. Tollwut ist lebensbedrohlich.


Leptospirose („Stuttgarter Hundeseuche“, Zoonose, Bakterium, mehrere Stämme)

  • Übertragung: Kontakt mit Wildtieren, Ausscheidung mit dem Urin, Baden in stehenden Gewässern. Die Bakterien überleben in feuchten Böden oder Pfützen. Der Hund trinkt aus der Pfütze, die Bakterien dringen durch die intakte Schleimhaut ein. Infizierte Tiere können jahrelang unbemerkt Dauerausscheider sein!

  • Symptome variieren: Schwäche, hohes Fieber, Schmerzen, Muskelschmerzen, steifer Gang, Gelbsucht und Hautrötungen, starker Durst und Erbrechen. Zu spät behandelte Tiere sterben an Organversagen.

  • Therapie: Antibiotikatherapie, in einer Isolierstation, da der Hund massiv Bakterien ausscheidet.

  • Prophylaxe: Impfung gegen die gefährlichsten Erregerstämme.


Staupe (Virus)

  • Übertragung: Tröpfcheninfektion oder direkt. In der Umwelt stirbt das Virus schnell.

  • Symptome: Variieren stark: Erbrechen und schleimig-wässriger Durchfall, eitriger Nasen­­­ausfluss mit Krusten um Nase und Augen, schwere Atmung. Husten, Lungenentzündung. Kollaps. Entzündung von Gehirn und Nerven, kann zu Epilepsie, Ticks, Lähmungen, „Staupegebiss“ führen.

  • Therapie: Symptomatisch mit Antibiotika.

  • Prophylaxe: Impfung



Zwingerhustenkomplex (Mischinfektion, Viren (Auslöser), Bakterien (sekundär))

  • Übertragung: Über die Luft beziehungsweise Tröpfcheninfektion. Risikogebiete: Hundeveranstaltungen (Wettkämpfe, Ausstellungen), Tierpensionen, Trainingsplätze, Hundewiese.

  • Symptome: „Bellender“ Husten, oft wenig oder keine Symptome. Sonst Erkältungssymptome wie beim Menschen. Bei jungen und schwachen Tieren sind bleibende Schäden und Todesfälle möglich.

  • Therapie: Antibiotika und hustenlindernde Mittel.

  • Prophylaxe: Impfung gegen die häufigsten Erreger und Schutz: Starkes Immunsystem.

Parvovirose (Virus)

  • Übertragung: Über Ausscheidung, besonders Kot. Der Erreger bleibt Monate infektiös und wird beim Beschnuppern oder Belecken kontaminierter Stellen vom nächsten Hund aufgenommen. Auch Menschen können das Virusmaterial zum Beispiel über Schuhe verbreiten, sogar Fliegen, die sich auf den Wassernapf setzen. Inkubationszeit beträgt 7-14 Tage.

  • Symptome: Erkrankte Hunde haben starke und blutige Durchfälle und Erbrechen. Viele Welpen sterben innerhalb 48 Stunden. Aber: 9 von 10 infizierten Hunden durchleben eine „stille Infektion“.

  • Therapie: Antibiotika und Serum-Antikörper. Viel trinken, da der Hund sonst austrocknet.

HCC Hepatitis contagiosa canis, ansteckende Leberentzündung (Virus)

  • Übertragung: Über alle Ausscheidungen, besonders Harn. Meist nehmen Hunde den Erreger durch Beschnüffeln und Belecken der Ausscheidungen infizierter Tiere auf. Es gibt viele latente Träger. Der Erreger kann auch außerhalb des Organismus monatelang infektiös bleiben.

  • Symptome: Variieren stark. Akute Verläufe beginnen mit Fieber, Apathie, Erbrechen und können innerhalb von Stunden tödlich sein, chronische bleiben manchmal unbemerkt.

  • Therapie: Symptomatisch. Behandlungsversuche meist erfolglos.

  • Prophylaxe: Impfung


Zecke sitzt auf einer Hand
Zecke

FSME Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (Virus)

  • Übertragung: Zeckenbiss. Virus wird vom Hund nicht ausgeschieden, das heißt, die Ansteckungsgefahr gering.

  • Symptome: Meist hohes Fieber, neurologische Störungen, Übererregbarkeit, Aggressivität, Apathie, Schmerzen, Gangstörungen oder Lähmungen.

  • Prognose: Bei Hunden mildem Verlauf gut, ansonsten schlecht, beim Menschen sind schwere Schäden möglich.

  • Prophylaxe: Beim Hund ist keine Impfung möglich, bei Menschen ja.


Borreliose (Bakterieninfektion)

  • Übertragung: Zeckenbiss.

  • Symptome: Meist keine (über 90% der Infizierten). Ansonsten Röte um die Bissstelle. Zwei bis fünf Monate später: Fieber, Abmagerung, Mattigkeit, dicke Lymphknoten, Lahmheit.

  • Prophylaxe: Impfung und Zeckenschutz.


Zusammenfassung

Viele Infektionskrankheiten sind gefährlich, nicht oder nur schwer behandelbar und können auch Menschen gefährden. Infektionskrankheiten verbreiten sich nicht nur von Tier zu Tier, sondern auch über:

  • alle Ausscheidungen

  • die Luft

  • die Hände

  • Kleidung, Schuhe etc.

  • gemeinsam genutztes Zubehör wie Spielzeug, Futter- oder Wassernäpfe

  • Scheinbar gesunde Tiere (latente Ausscheider) können monate- oder sogar jahrelang Artgenossen infizieren, ohne dass es bemerkt wird.


Hygienetipps für Zuhause


Viele Infektionen werden über Ausscheidungen wie Kot und Urin übertragen. Andere Krankheiten werden durch Biester wie Zecken oder Flöhe übertragen. Deswegen sorge unbedingt für einen Schutz gegen die kleinen Krankheitsbringer. Es gibt Spot-on-Präparate, die man im Nacken aufbringt, spezielle Halsbänder sowie Schutz in Tablettenform. Hygiene zuhause ist zudem wichtig, insbesondere dann, wenn dein Hund bereits eine Infektion eingeschleppt hat.

  • Sollte dein Hund sich in der Wohnung lösen (Welpe, Neuankömmling, alter oder inkontinenter Hund): Die betroffene Stelle am Boden geruchsneutral reinigen, möglichst ammoniakfrei.

  • Am besten sind Böden, die gut zu reinigen sind, wie Fliesen oder Linoleum. Naturböden wie Kork oder Parkett aus Echtholz sind weniger geeignet.

  • Gleiches gilt für das Körbchen oder Hundebett: am besten gut (ab)waschbare Sachen kaufen. Wasche die Bezüge der Hundebetten also regelmäßig.

  • Spielsachen regelmäßig reinigen. Viele Dinge aus Kunststoff können in der Spülmaschine gereinigt werden. Alle textilen Hundeutensilien (Decken, Kauknoten, Plüschtiere) solltest du regelmäßig bei 60°C waschen, besser sind 95°C. Was nicht waschbar ist, sollte nach einer schweren Infektion wie Giardien oder Parvovirose in den Müll.

  • Auch bei einem Flohbefall nicht nur den Hund behandeln, sondern alle Textilien im Umfeld möglichst oft auswechseln und heiß waschen. Es gibt viele geeignete Produkte hierfür im Handel.

Passe gut auf deinen Hund auf, damit er gesund bleibt! Und kuscheln nicht vergessen ;-)

 

Hier gibt es noch mehr Input:

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Hey, ich bin Marion, Coach für angehende Hundetrainer. Meine Vision ist, dass du deinen Hund besser verstehen lernst. Für ein harmonisches und glückliches Zusammenleben mit deinem Hund.

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